Niklaus komm in unser (Kranken)haus
Hohoho...zu den artigen Kinder kommt der Nikolaus, zu den kranken auch :-) Heute war es denkbar ruhig auf dem Gelände von Haydom. Jeder war in seinen vier Wänden verschwunden um die letzten Vorbereitungen für das abendliche Nikolaustreffen zu arrangieren. Da wurde gebastelt, geklebt, etwas geflucht um das zusammenzuhalten was zusammen gehören sollte. Und am Abend war es dann vollbracht und man traf sich zu Kerzenschein, Gewuerztee, Wein, Lebkuchen und einem Plausch. St.Nikolaus im eigens geschneiderten Bischofsgewand und sein Gehilfe Knecht Rupprecht kamen laut polternd auch daher und die Krankenhausbelegschaft schaute ein wenig verwundert aus der Wäsche...als der Herr im roten Bischofsgewand mit Flauschebart und ein schwarz gemahlter gruenmuetziger Gehilfe da ueber das Gelände schlurften...diese Mzungus, so schuettelten sie merklich verwundert den Kopf...was tun sie denn nun schon wieder...hihi...muss denkbar merkwürdig auf sie gewirkt haben. Aber es wurden Geschenke gebracht an alle die artig waren mit eigens verfassten Gedicht; ich zitiere aus dem an mich gerichteten von Mr.Unbekannt im Auftrag von Herrn Nikolaus: With your curly hair, you are lightening the day as an pediatric doctor, and the Africans would take you on a date, so be prepared!“Es folgte eine Tasche voller Überlebenswichtiger Dinge die man in der afrikanischen Gesellschaft so braucht: Snickers wenns mal wieder länger dauert, ein bisschen Schmuck um den dunklen Tag aufzuhellen ect.... Nett. Nun da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben. Ich hab am Nikolaustag selbst auf Station Geschenke verteilt...etwas skeptisch wurde das gerade erhaltene unter die Lupe genommen und anschliessend sah man die Sticker auf den Armen der Kinder kleben, es wurde mit den Floppies im Gang gespielt und das leere Bonbonpapier lag auf dem Boden..ich geht mal davon aus das es geschmeckt hat. Jedenfalls war es herrlich diese leuchtenten Kinderaugen zu sehen wenn ich in meiner Tasche kramte.
Freitag, 10. Dezember 2010
Sonntag, 5. Dezember 2010
Zufälle und menschliche Begegnungen
Zufälle und menschliche Begegnungen
Haydom – der Name bedeutet „Roter Bulle mit weissen Flecken“. Seinen Namen bekam der Ort von einem alten Stamm, der hier vor vielen Jahren fruchtbare rote Erde und einiges Wasservorkommen in Form kleiner Bäche und Seen vorfand. Irgendwann kam dann der weisse Mann, der intial gar nicht gern gesehen war, aus Angst er könnte die lokale Bevölkerung mit ihren Traditionen vertreiben. Als er aber begann ein Krankenhaus zu bauen gemeinsam mit den Menschen (das war in den fünfziger Jahren) gab es plötzlich eine Perspektive für viele Familien und das Dorf wurde grösser und grösser. Heute gleicht Haydom einer kleinen Stadt und ständig wachsend ist die Zahl der Lehm und Ziegelsteinbauten. Heute morgen war ich zunächst shoppen ... dh.Mangos,Gemüse,ein Nikolausgeschenk für unser morgendliches Wichteln, anschliessend hab ich mich mit Ruth einer deutschen Zahnärztin in einem Café auf einen Chai und eine Cola getroffen und darauf sind wir mit dem öffentlichen Bus nach Basotho einem 25km entfernten Nachbarort gestartet.
Nach einer knapp 45 minütigen Reise staunt man nicht schlecht sich plötzlich einem grossen See mit herrlich blauem Wasser gegenüberzusehen. Der nächste Bus zurück nach Haydom sollte erst 22Uhr, 8h später gehen, also jede Menge Zeit für frischen Fisch und etwas Abenteuer. Es wehte ein deutlich kühlerer aber angenehm erfrischender Wind, das erste Mal hatte man das Gefühl, seine Lunge von all dem Staub Haydoms freizuatmen. Ruth und ich folgten dem Seeufer entlangwandernd eine ganze Weile, begegneten ein paar Kindern die im Wasser stehend mit ihren selbstgebauten Angeln kleine Fische an Land zogen...und rasteten schliesslich auf einem grossen Baumstamm in der Sonne. In etwas weiterer Entfernung erkannte man die Fassade eines merkwürdig anmutendem hohen Ziegelsteingebäudes mit schräger Dach-Stahlkonstruktion. Diese entpuppte sich als die Front einer neugebauten Kirche. Der lichtdurchflutete Innenraum, mit rundem Grundriss, erschien ungewohnt modern mit bunt gestalteten Fenstern, einer geschnitzten Krippe, einem blumenverzierten Altarraum...keine Frage es handelte sich um eine katholische Kirche. Beim Heraustreten vernahm ich plötzlich deutsche Worte und wenig später (nachdem wir unsere Herkunft verraten hatten) wurden wir vom Pfarrer in fast herrlichstem Deutsch willkommen geheissen. Die Kirche ist Teil einer Klosteranlage der Augustiner, die derzeit Kontakte nach Deutschland und Frankreich pflegt. Der Priester selbst hat längere Zeit im Schwarzwald verbracht. Stolz zeigte er uns das gesamte Gelände und stellte uns auch einem dort arbeitenden Schwesterorden vor. Die Gartenanlagen und das Gelände wirkten ungewohnt modern und gepflegt. Wir wurden zu Kaffee und Tee eingeladen, dabei erzählte ich das Hayte, ein Kollege mit dem ich auf der Kinderstation zusammenarbeite aus Basotho stammt ... natürlich kannte man Hayte hier, so ist er doch schon von klein an ein häufiger Gast und guter Freund der Leute im Kloster. Das Handy war schnell gezückt und nach ein paar organisatorischen Worten waren Hayte und wir zum Abendessen eingeladen und man bestand darauf uns anschliessend mit dem Jeep nach Haydom zurückzubringen. So sassen wir dann alle am grossen Tisch vereint tranken !! Südafrikanischen !! Wein und assen selbst angebaute Köstlichkeiten. Die Flusspferde, die hier wohl häufiger den klösterlichen Garten besuchen, waren aber heute leider nicht aufzufinden, dafür muss ich wohl wiederkommen. Nachdem uns Hayte auf dem Rückweg dann auch noch einmal kurz seiner Familie vorgestellt hatte, ging es dann unter afrikanischem Sternenhimmel und auf roter Polterpiste zurück aufs Haydomer Betriebsgelände. Erstaunlich wie sich so manche Dinge ganz natürlich und ohne jede Planung in einen perfekten Tag verwandeln.
Haydom – der Name bedeutet „Roter Bulle mit weissen Flecken“. Seinen Namen bekam der Ort von einem alten Stamm, der hier vor vielen Jahren fruchtbare rote Erde und einiges Wasservorkommen in Form kleiner Bäche und Seen vorfand. Irgendwann kam dann der weisse Mann, der intial gar nicht gern gesehen war, aus Angst er könnte die lokale Bevölkerung mit ihren Traditionen vertreiben. Als er aber begann ein Krankenhaus zu bauen gemeinsam mit den Menschen (das war in den fünfziger Jahren) gab es plötzlich eine Perspektive für viele Familien und das Dorf wurde grösser und grösser. Heute gleicht Haydom einer kleinen Stadt und ständig wachsend ist die Zahl der Lehm und Ziegelsteinbauten. Heute morgen war ich zunächst shoppen ... dh.Mangos,Gemüse,ein Nikolausgeschenk für unser morgendliches Wichteln, anschliessend hab ich mich mit Ruth einer deutschen Zahnärztin in einem Café auf einen Chai und eine Cola getroffen und darauf sind wir mit dem öffentlichen Bus nach Basotho einem 25km entfernten Nachbarort gestartet.
Nach einer knapp 45 minütigen Reise staunt man nicht schlecht sich plötzlich einem grossen See mit herrlich blauem Wasser gegenüberzusehen. Der nächste Bus zurück nach Haydom sollte erst 22Uhr, 8h später gehen, also jede Menge Zeit für frischen Fisch und etwas Abenteuer. Es wehte ein deutlich kühlerer aber angenehm erfrischender Wind, das erste Mal hatte man das Gefühl, seine Lunge von all dem Staub Haydoms freizuatmen. Ruth und ich folgten dem Seeufer entlangwandernd eine ganze Weile, begegneten ein paar Kindern die im Wasser stehend mit ihren selbstgebauten Angeln kleine Fische an Land zogen...und rasteten schliesslich auf einem grossen Baumstamm in der Sonne. In etwas weiterer Entfernung erkannte man die Fassade eines merkwürdig anmutendem hohen Ziegelsteingebäudes mit schräger Dach-Stahlkonstruktion. Diese entpuppte sich als die Front einer neugebauten Kirche. Der lichtdurchflutete Innenraum, mit rundem Grundriss, erschien ungewohnt modern mit bunt gestalteten Fenstern, einer geschnitzten Krippe, einem blumenverzierten Altarraum...keine Frage es handelte sich um eine katholische Kirche. Beim Heraustreten vernahm ich plötzlich deutsche Worte und wenig später (nachdem wir unsere Herkunft verraten hatten) wurden wir vom Pfarrer in fast herrlichstem Deutsch willkommen geheissen. Die Kirche ist Teil einer Klosteranlage der Augustiner, die derzeit Kontakte nach Deutschland und Frankreich pflegt. Der Priester selbst hat längere Zeit im Schwarzwald verbracht. Stolz zeigte er uns das gesamte Gelände und stellte uns auch einem dort arbeitenden Schwesterorden vor. Die Gartenanlagen und das Gelände wirkten ungewohnt modern und gepflegt. Wir wurden zu Kaffee und Tee eingeladen, dabei erzählte ich das Hayte, ein Kollege mit dem ich auf der Kinderstation zusammenarbeite aus Basotho stammt ... natürlich kannte man Hayte hier, so ist er doch schon von klein an ein häufiger Gast und guter Freund der Leute im Kloster. Das Handy war schnell gezückt und nach ein paar organisatorischen Worten waren Hayte und wir zum Abendessen eingeladen und man bestand darauf uns anschliessend mit dem Jeep nach Haydom zurückzubringen. So sassen wir dann alle am grossen Tisch vereint tranken !! Südafrikanischen !! Wein und assen selbst angebaute Köstlichkeiten. Die Flusspferde, die hier wohl häufiger den klösterlichen Garten besuchen, waren aber heute leider nicht aufzufinden, dafür muss ich wohl wiederkommen. Nachdem uns Hayte auf dem Rückweg dann auch noch einmal kurz seiner Familie vorgestellt hatte, ging es dann unter afrikanischem Sternenhimmel und auf roter Polterpiste zurück aufs Haydomer Betriebsgelände. Erstaunlich wie sich so manche Dinge ganz natürlich und ohne jede Planung in einen perfekten Tag verwandeln.
Duschen für Fortgeschrittene
Duschen für Fortgeschrittene
Wenn es um die Versorgung der Grundbedürfnisse geht, so muss man sich hier in Haydom wirklich keine Sorgen machen. Die tägliche Körperreinigung insbesondere das Duschen zählt allerdings zu den ganz besonderen Herausforderungen des hiesigen Buschlandes. Man möchte meinen aus Gründen der fehlenden Warmwasserversorgung oder Sanitäranlagen...weit gefehlt. Dahingehend muss ich sagen sind wir diesmal fortschrittlichst mit Duschbecken, Badewanne und Keramik-Klo ausgestattet. Wir sind sogar so fortschrittlich das die baumelnde Kabelkonstruktion am Duschkopf das Wasser sofort nach dem Umlegen des Hahnes in binnen von 2 Sekunden in heisses Nass verwandelt. Das schafft nicht mal eine Warmwasseranlage im deutschen Haushalt, so möchte ich meinen. Dafür reduziert sich aber auch sofort nach Einschalten des Heisswassers die Lichtintensität der Badezimmerbeleuchtung merklich. Wieviel Amphere schweben da eigentlich über mir, während ich mutig knöcheltief im Wasser stehe...man muss nur den Versuch machen mit den Händen etwas näher an den Brausekopf zu gelangen ohne ihn natürlich zu berühren, das wäre lebensgefährlich, und man spürt das Kribbeln in den Fingerspitzen. Aber freiweg nach der Devise was ich nicht weiter hinterfrage kann ich eher geniessen. Dumm nur wenn die Gefahr nicht nur von oben lauert sondern auch von unten. So bin ich halb müde beim letzten Duschvorhaben nackten Fusses bald auf einen Skorpion im Duschbecken getreten...das war ein Schock von beiden Seiten so glaube ich...mutig hab ich mir ne leere Flasche geschnappt, über das Tier gestülpt, es seitlich aus der Wanne geschoben, die Flasche umgedreht und mit dem am Flaschenrand hängendem Skorpion in hohem Bogen aus der weit geöffneten Haustür geworfen...Jetzt weiss wohl auch der Mzungu von nebenan auch nicht mehr wie man sich benimmt und den Müll richtig entsorgt wird sich wohl der Nachbar gedacht haben, beim Anblick der aus der Tür fliegenden Flasche. Na wenigstens bin ich diese Nacht nicht dreckig schlafen gegangen.
Wenn es um die Versorgung der Grundbedürfnisse geht, so muss man sich hier in Haydom wirklich keine Sorgen machen. Die tägliche Körperreinigung insbesondere das Duschen zählt allerdings zu den ganz besonderen Herausforderungen des hiesigen Buschlandes. Man möchte meinen aus Gründen der fehlenden Warmwasserversorgung oder Sanitäranlagen...weit gefehlt. Dahingehend muss ich sagen sind wir diesmal fortschrittlichst mit Duschbecken, Badewanne und Keramik-Klo ausgestattet. Wir sind sogar so fortschrittlich das die baumelnde Kabelkonstruktion am Duschkopf das Wasser sofort nach dem Umlegen des Hahnes in binnen von 2 Sekunden in heisses Nass verwandelt. Das schafft nicht mal eine Warmwasseranlage im deutschen Haushalt, so möchte ich meinen. Dafür reduziert sich aber auch sofort nach Einschalten des Heisswassers die Lichtintensität der Badezimmerbeleuchtung merklich. Wieviel Amphere schweben da eigentlich über mir, während ich mutig knöcheltief im Wasser stehe...man muss nur den Versuch machen mit den Händen etwas näher an den Brausekopf zu gelangen ohne ihn natürlich zu berühren, das wäre lebensgefährlich, und man spürt das Kribbeln in den Fingerspitzen. Aber freiweg nach der Devise was ich nicht weiter hinterfrage kann ich eher geniessen. Dumm nur wenn die Gefahr nicht nur von oben lauert sondern auch von unten. So bin ich halb müde beim letzten Duschvorhaben nackten Fusses bald auf einen Skorpion im Duschbecken getreten...das war ein Schock von beiden Seiten so glaube ich...mutig hab ich mir ne leere Flasche geschnappt, über das Tier gestülpt, es seitlich aus der Wanne geschoben, die Flasche umgedreht und mit dem am Flaschenrand hängendem Skorpion in hohem Bogen aus der weit geöffneten Haustür geworfen...Jetzt weiss wohl auch der Mzungu von nebenan auch nicht mehr wie man sich benimmt und den Müll richtig entsorgt wird sich wohl der Nachbar gedacht haben, beim Anblick der aus der Tür fliegenden Flasche. Na wenigstens bin ich diese Nacht nicht dreckig schlafen gegangen.
Welchen Wert hat ein Menschenleben
Welch einen Wert hat eigentlich ein Menschenleben und gibt es Unterschiede zwischen alt und jung? Nachdem zwischen den heutigen Geschehnissen und dem jetzigen Zeitpunkt ein paar Minuten der Ruhe und des Nachsinnens liegen beginne ich mir darüber Gedanken zu machen, was ich hier eigentlich fuer ein Rolle spiele, wie ich hier Menschen helfen soll, die dem Leben selbst so gleichgueltig gegenueber stehen. Fuer mich undenkbar.
Ich glaube das Problem liegt zum Teil einfach darin, dass man hier nicht gewohnt ist eigenständig Entscheidungen zu treffen, bzw. miteinander zu agieren. Für alles muss eine Anordnung formuliert werden man sieht nur seine eigenen Aufgaben und was nebenher geschieht ist nebensächlich, egal wie dringend...Prioritäten setzen...ich glaube das ist etwas was man nur kann, wenn man gelernt hat eigenständig und nicht fremdgelenkt zu denken. Natuerlich ist es viel einfacher eine To-Do-Liste abzuarbeiten als eine selbst zu erstellen.
Man verlässt sich lieber auf den anderen, als selbst Verantwortung fuer bestimmte Dinge zu uebernehmen. Und das mit fatalen Folgen. Heut fand ich mit einem 5 Monate alten Säugling mit schwerer Lungenentzuendung und niedriger Sauerstoffsättigung um die 50% in der Visite. Das Röntgenbild zeigte ein völlig einseitig weisse Lunge. Das Kind japste nach Luft...aus der provisorisch angebrachten Sauerstoffnasenbrille konnte man nur einen Hauch von Luft erahnen, der zichfach geklebte Schlauch aus dem Sauerstoffgerät leckte an sämtlichen Stellen. Ich beschloss mir das nicht länger anzusehen und das Kind zu intubieren. Mit dem Anästhesisten an meiner Seite war es für uns beide auch kein Problem dieses zu tun, bloss waren im Moment seiner Ankunft plötzlich alle Schwestern verschwunden, noch im selben Moment als das Kind einen Herz-Kreislaufstillstand erlitt, und gingen wieder ihren Tätigkeiten nach. Zu zweit reanimierten wir zwei ueber 15 Minuten ohne Erfolgszeichen, da stand aber keine Schwester an meiner Seite die irgend etwas angereicht hätte, ich schrie jedesmal quer durch die Station nach Adrenalin oder ähnlichem, das dann im ruhigen Schritttempo angetragen wurde...bloss keine Hektik verbreiten so schien die Divise. Der Anäshesist drängelte nicht, aber ich klatschnass geschwitzt ich hab mir geschworen ich verliere nicht noch ein Kind...weiter machen!! Der Stoss Adrenalin ging direkt ins Herz mit der Spritze, zack...allerletzte Chance. 2 Minuten später später hatte der Kleine wieder eine stabile Herzfrequenz von 150/Minute. Ich stand dann noch sicher 20 Minuten in dieser Position das Kind bebeutelnd und ich hätte da sicher auch noch länger gestanden wenn ich nicht irgendwann einmal gefragt hätte, ob mich mal jemand ablösen könnte mit dem Bebeuteln und dann stellen sie mir statt einer erfahrenen Schwester eine Schuelerin an die Seite die das noch nie gemacht hatte, die Schwestern hätten gerade anderweitig mit der Medikamentenausgabe zu tun. Ich wollte nur schnell etwas trinken gehen, es wurde mir nach eindringlichem Nachfragen versichert, sie rufen mich sofort wenn sich etwas ändert (wohlgemerkt Sättigung lag jetzt über 80% u. Herzfrequenz war stabil) und halten das Kind im Auge. Ich hätte nicht gehen sollen!!! Bei meiner Rückkehr, eine andere Schwester betätigte den Beutel, hatte das Kind plötzlich keinen Herzschlag mehr, auf Nachfragen kam die Antwort, das wär jetzt schon seit mehr als 10 Minuten so....ABER ES HAT VERDAMMT NOCH MAL NIEMAND ETWAS DAGEGEN UNTERNOMMEN, weder mich gerufen noch auf die schlaue Idee gekommen vielleicht Herzdruckmassage anzuwenden anstatt nur Luft in die Lungen zu pusten. Fast ausser mir vor Wut und Verzweiflung hab ich dann noch mal angefangen, Adrenalin konnte keiner mehr bringen, es gäbe gerade niemanden mehr auf Station der es hätte aufziehen können...Ich hab noch ein paar Zyklen durchgehalten bevor ich aufgegeben habe. Hab dann aber alles fallen und die Schwester mit dem toten Kind stehen lassen, bevor ich mit geballten Fäusten und Tränen in den Augen die Station verliess.
Ich glaube das Problem liegt zum Teil einfach darin, dass man hier nicht gewohnt ist eigenständig Entscheidungen zu treffen, bzw. miteinander zu agieren. Für alles muss eine Anordnung formuliert werden man sieht nur seine eigenen Aufgaben und was nebenher geschieht ist nebensächlich, egal wie dringend...Prioritäten setzen...ich glaube das ist etwas was man nur kann, wenn man gelernt hat eigenständig und nicht fremdgelenkt zu denken. Natuerlich ist es viel einfacher eine To-Do-Liste abzuarbeiten als eine selbst zu erstellen.
Man verlässt sich lieber auf den anderen, als selbst Verantwortung fuer bestimmte Dinge zu uebernehmen. Und das mit fatalen Folgen. Heut fand ich mit einem 5 Monate alten Säugling mit schwerer Lungenentzuendung und niedriger Sauerstoffsättigung um die 50% in der Visite. Das Röntgenbild zeigte ein völlig einseitig weisse Lunge. Das Kind japste nach Luft...aus der provisorisch angebrachten Sauerstoffnasenbrille konnte man nur einen Hauch von Luft erahnen, der zichfach geklebte Schlauch aus dem Sauerstoffgerät leckte an sämtlichen Stellen. Ich beschloss mir das nicht länger anzusehen und das Kind zu intubieren. Mit dem Anästhesisten an meiner Seite war es für uns beide auch kein Problem dieses zu tun, bloss waren im Moment seiner Ankunft plötzlich alle Schwestern verschwunden, noch im selben Moment als das Kind einen Herz-Kreislaufstillstand erlitt, und gingen wieder ihren Tätigkeiten nach. Zu zweit reanimierten wir zwei ueber 15 Minuten ohne Erfolgszeichen, da stand aber keine Schwester an meiner Seite die irgend etwas angereicht hätte, ich schrie jedesmal quer durch die Station nach Adrenalin oder ähnlichem, das dann im ruhigen Schritttempo angetragen wurde...bloss keine Hektik verbreiten so schien die Divise. Der Anäshesist drängelte nicht, aber ich klatschnass geschwitzt ich hab mir geschworen ich verliere nicht noch ein Kind...weiter machen!! Der Stoss Adrenalin ging direkt ins Herz mit der Spritze, zack...allerletzte Chance. 2 Minuten später später hatte der Kleine wieder eine stabile Herzfrequenz von 150/Minute. Ich stand dann noch sicher 20 Minuten in dieser Position das Kind bebeutelnd und ich hätte da sicher auch noch länger gestanden wenn ich nicht irgendwann einmal gefragt hätte, ob mich mal jemand ablösen könnte mit dem Bebeuteln und dann stellen sie mir statt einer erfahrenen Schwester eine Schuelerin an die Seite die das noch nie gemacht hatte, die Schwestern hätten gerade anderweitig mit der Medikamentenausgabe zu tun. Ich wollte nur schnell etwas trinken gehen, es wurde mir nach eindringlichem Nachfragen versichert, sie rufen mich sofort wenn sich etwas ändert (wohlgemerkt Sättigung lag jetzt über 80% u. Herzfrequenz war stabil) und halten das Kind im Auge. Ich hätte nicht gehen sollen!!! Bei meiner Rückkehr, eine andere Schwester betätigte den Beutel, hatte das Kind plötzlich keinen Herzschlag mehr, auf Nachfragen kam die Antwort, das wär jetzt schon seit mehr als 10 Minuten so....ABER ES HAT VERDAMMT NOCH MAL NIEMAND ETWAS DAGEGEN UNTERNOMMEN, weder mich gerufen noch auf die schlaue Idee gekommen vielleicht Herzdruckmassage anzuwenden anstatt nur Luft in die Lungen zu pusten. Fast ausser mir vor Wut und Verzweiflung hab ich dann noch mal angefangen, Adrenalin konnte keiner mehr bringen, es gäbe gerade niemanden mehr auf Station der es hätte aufziehen können...Ich hab noch ein paar Zyklen durchgehalten bevor ich aufgegeben habe. Hab dann aber alles fallen und die Schwester mit dem toten Kind stehen lassen, bevor ich mit geballten Fäusten und Tränen in den Augen die Station verliess.
Freitag, 3. Dezember 2010
Oh an die besonders Interessierten hier noch einmal die Gebrauchsanweisung wie man ein tanzanianisches EKG auswertet:
1.) Man macht erst gar keins, weil das Geræt nicht auffindbar ist
2.) Wenn man dann die richtigen Elektroden sich zusammengestueckelt hat møglichst platzsparend am Patienten anbringen
3.) Stecker in die Wand klopfen (natuerlich fehlt der richtige Adapter)
4.) Warten bis der Generator die gerade just in diesem Moment ausgefallene Stromleistung wiederherstellt
5.) Kabelbrueche manuell mit Tape ueberbruecken
6.) Und das wichtigste wenn man dann bemerkt das das Geræt noch nie Druckpapier zum Ausdrucken der EKG Streifen besass:
Kamera zuecken, das Display mit den Zacken abfotographieren, zu Haus am Laptop entsprechend vergrøssern und auswerten.
7.) Dabei immer huebsch læcheln und die Nerven behalten.
1.) Man macht erst gar keins, weil das Geræt nicht auffindbar ist
2.) Wenn man dann die richtigen Elektroden sich zusammengestueckelt hat møglichst platzsparend am Patienten anbringen
3.) Stecker in die Wand klopfen (natuerlich fehlt der richtige Adapter)
4.) Warten bis der Generator die gerade just in diesem Moment ausgefallene Stromleistung wiederherstellt
5.) Kabelbrueche manuell mit Tape ueberbruecken
6.) Und das wichtigste wenn man dann bemerkt das das Geræt noch nie Druckpapier zum Ausdrucken der EKG Streifen besass:
Kamera zuecken, das Display mit den Zacken abfotographieren, zu Haus am Laptop entsprechend vergrøssern und auswerten.
7.) Dabei immer huebsch læcheln und die Nerven behalten.
Typische Alltagsszenen
Ok ich habe das letzte Mal davon berichtet, dass man hier die Dinge häufig so nimmt wie sie sind, und das das in einer höheren Zufriedenheit mündet, da man manches ohnehin nicht ändern kann...das gilt leider auch für die derzeitige Stromversorgung hier...die Generatorleistung gleicht derzeit einem Autoblinker: Geht-Geht nicht, Licht aus-Licht an, Sauerstoff aus-Sauerstoff an, Ultraschall funktioniert-Ultraschall funktioniert nicht....puhhh...mittlerweile gibts Kerzen und Taschenlampen für die Nachmittagsstunden. Beim letzen Mal sass ich gerade mit Patient im Sono, kaum hatte ich den Schallkopf aufgesetzt...Lichter aus, Feierabend...Keshu(Vielleicht morgen) und den etwas verwirrten Patienten wieder den langen Weg zurück geschickt mit unbenutztem Restglibber auf dem Bauch...mhhh...vielleicht ist der morgen auch noch dran, dann brauch ich keinen neuen.
Dann eine typische nachmittägliche Alltagsszene ... meistens dann wenn mir einfällt ich muss noch mal eben irgendwie eine Untersuchung machen...Zimmer leer....ich meine fast bettenleer, dafür ist der kleine Platz vor der Station unter freiem Himmel bzw. der Eingangsbereich mit Betten UND darin liegenden Patienten vollgeparkt, irgendwo dazwischen würde ich sicher auch meinen Patienten finden...der Grund ist die tägliche Reinigungsaktion, das heisst Menschen in Gummiestiefeln, ich habe nicht dazugelernt im letzten Jahr und trage noch immer Sandalen...schütten eimerweise Wasser in die Zimmer und Flure und schieben Dreck und Wischwasser mit breiten Schrubbern am anderen Ende des Flures hinaus, das bedeutet wenn man von der falschen Richtung kommt findet man sich plötzlich in einem See aus Schaumwasser und Dreck stehend oder ein kleiner Bach schneidet einem den Weg ab. Nach dem Reinigungsspektakel werden die Patienten in ihren Betten dann wieder nach ihrer „Frischluftkur“ in die Zimmer zurückgerollt. Klasse!
Ok ich habe das letzte Mal davon berichtet, dass man hier die Dinge häufig so nimmt wie sie sind, und das das in einer höheren Zufriedenheit mündet, da man manches ohnehin nicht ändern kann...das gilt leider auch für die derzeitige Stromversorgung hier...die Generatorleistung gleicht derzeit einem Autoblinker: Geht-Geht nicht, Licht aus-Licht an, Sauerstoff aus-Sauerstoff an, Ultraschall funktioniert-Ultraschall funktioniert nicht....puhhh...mittlerweile gibts Kerzen und Taschenlampen für die Nachmittagsstunden. Beim letzen Mal sass ich gerade mit Patient im Sono, kaum hatte ich den Schallkopf aufgesetzt...Lichter aus, Feierabend...Keshu(Vielleicht morgen) und den etwas verwirrten Patienten wieder den langen Weg zurück geschickt mit unbenutztem Restglibber auf dem Bauch...mhhh...vielleicht ist der morgen auch noch dran, dann brauch ich keinen neuen.
Dann eine typische nachmittägliche Alltagsszene ... meistens dann wenn mir einfällt ich muss noch mal eben irgendwie eine Untersuchung machen...Zimmer leer....ich meine fast bettenleer, dafür ist der kleine Platz vor der Station unter freiem Himmel bzw. der Eingangsbereich mit Betten UND darin liegenden Patienten vollgeparkt, irgendwo dazwischen würde ich sicher auch meinen Patienten finden...der Grund ist die tägliche Reinigungsaktion, das heisst Menschen in Gummiestiefeln, ich habe nicht dazugelernt im letzten Jahr und trage noch immer Sandalen...schütten eimerweise Wasser in die Zimmer und Flure und schieben Dreck und Wischwasser mit breiten Schrubbern am anderen Ende des Flures hinaus, das bedeutet wenn man von der falschen Richtung kommt findet man sich plötzlich in einem See aus Schaumwasser und Dreck stehend oder ein kleiner Bach schneidet einem den Weg ab. Nach dem Reinigungsspektakel werden die Patienten in ihren Betten dann wieder nach ihrer „Frischluftkur“ in die Zimmer zurückgerollt. Klasse!
Die Dinge nehmen wie sie sind. Samstag, 27.11.2010
Nun eine vielleicht positive Eigenschaft der Mentalität hier ist, dass man eigentlich sehr selten einen wütenden oder verärgert düster drein schauenenden Menschen trifft. Im Grunde blickt man hier entweder in mehr oder weniger gleichgültige oder dann doch lachende Gesichter...so angenehm wie das auch oft scheinen mag, so kann ich mich oft nur schwer beherrschen wenn ich eilig etwas erledigen will bzw. die Situation Eile gebietet und der Angesprochene singend und summend in einer Seelenruhe erst mal beginnt alle Schränke zu durchsuchen um mir dann freudestrahlend zu berichten, „Ist nicht mehr da“....um dann natürlich erst nach nochmaligem Nachfragen es anderswo zu suchen. Hier muss man lernen zu warten, geduldig zu sein, es bringt nichts die Dinge zu erzwingen, das mündet zwangsläufig in Frustration...man muss viel eher abwarten, bis einen das Erwartete selbst findet, auch wenn das meinen Geduldsfaden derzeit noch hoffnungslos überspannt. Aber es stimmt, ich kann regelmässig am Nachmittag losrennen von Station zum Labor...feststellen es ist noch nichts fertig, zurück auf Station...feststellen der Laborzettel mit der Anfrage liegt immer noch unangetastet jungfräulich von der Visite auf dem Tisch, dann ärgert man sich dass man die Blutentnahme nicht einfach selber gemacht hat...das ginge ja viel schneller...dann gibt man auf ... und plötzlich ein wenig später wenn man dann gerade mit etwas anderem beschäftigt ist, findet man denselben Zettel plötzlich ausgefüllt mit den Ergebnissen irgendwo auf dem Tisch mit TESA klebend. Wir sind es gewohnt Dinge sofort und ohne jegliche Zeitverzögerung zu erledigen, bzw. erledigt zu wissen...und auch sofort Resultate zu sehen, das frustriert oft. Die Menschen hier zeigen sich zwar in einer seeehhhr langsamen Manier beim ab-arbeiten täglicher Aufgaben, aber das Klima im gemeinsamen Umgang miteinander und sowohl zwischen Patient-Angehörigen und Pflegenden ist respektvoll und fürsorglich. Insgesamt fragt man sich manchmal, wie es Menschen überhaupt so lang unter den hiesigen Umständen aushalten, auch akzeptieren, dass sie manchmal stundenlang in völlig überfüllten Wartezimmern zwischen Betten, stöhnenden Kranken, und der höchst eifrigen Putzkolonne auf ihre Aufnahme oder den Arzt warten müssen...jeder Europäer würde rebellieren, aber hier weiss man zu warten bis man an der Reihe ist, und man weiss auch mit Ungeduld nichts ändern zu können und man weiss irgendwann wird man auch aufgerufen werden. Bis dahin wird sich die Zeit mit den anderen Wartenden vertrieben. Pole Pole in Afrika, langsam langsam ist nicht unbedingt arbeitseffektiver aber schützt manchmal vor Frustration, zu hohen Ansprüchen, bringt etwas mehr Zufriedenheit und lässt Zeit auch mal nach Links und Rechts des Weges zu schauen.
Nun eine vielleicht positive Eigenschaft der Mentalität hier ist, dass man eigentlich sehr selten einen wütenden oder verärgert düster drein schauenenden Menschen trifft. Im Grunde blickt man hier entweder in mehr oder weniger gleichgültige oder dann doch lachende Gesichter...so angenehm wie das auch oft scheinen mag, so kann ich mich oft nur schwer beherrschen wenn ich eilig etwas erledigen will bzw. die Situation Eile gebietet und der Angesprochene singend und summend in einer Seelenruhe erst mal beginnt alle Schränke zu durchsuchen um mir dann freudestrahlend zu berichten, „Ist nicht mehr da“....um dann natürlich erst nach nochmaligem Nachfragen es anderswo zu suchen. Hier muss man lernen zu warten, geduldig zu sein, es bringt nichts die Dinge zu erzwingen, das mündet zwangsläufig in Frustration...man muss viel eher abwarten, bis einen das Erwartete selbst findet, auch wenn das meinen Geduldsfaden derzeit noch hoffnungslos überspannt. Aber es stimmt, ich kann regelmässig am Nachmittag losrennen von Station zum Labor...feststellen es ist noch nichts fertig, zurück auf Station...feststellen der Laborzettel mit der Anfrage liegt immer noch unangetastet jungfräulich von der Visite auf dem Tisch, dann ärgert man sich dass man die Blutentnahme nicht einfach selber gemacht hat...das ginge ja viel schneller...dann gibt man auf ... und plötzlich ein wenig später wenn man dann gerade mit etwas anderem beschäftigt ist, findet man denselben Zettel plötzlich ausgefüllt mit den Ergebnissen irgendwo auf dem Tisch mit TESA klebend. Wir sind es gewohnt Dinge sofort und ohne jegliche Zeitverzögerung zu erledigen, bzw. erledigt zu wissen...und auch sofort Resultate zu sehen, das frustriert oft. Die Menschen hier zeigen sich zwar in einer seeehhhr langsamen Manier beim ab-arbeiten täglicher Aufgaben, aber das Klima im gemeinsamen Umgang miteinander und sowohl zwischen Patient-Angehörigen und Pflegenden ist respektvoll und fürsorglich. Insgesamt fragt man sich manchmal, wie es Menschen überhaupt so lang unter den hiesigen Umständen aushalten, auch akzeptieren, dass sie manchmal stundenlang in völlig überfüllten Wartezimmern zwischen Betten, stöhnenden Kranken, und der höchst eifrigen Putzkolonne auf ihre Aufnahme oder den Arzt warten müssen...jeder Europäer würde rebellieren, aber hier weiss man zu warten bis man an der Reihe ist, und man weiss auch mit Ungeduld nichts ändern zu können und man weiss irgendwann wird man auch aufgerufen werden. Bis dahin wird sich die Zeit mit den anderen Wartenden vertrieben. Pole Pole in Afrika, langsam langsam ist nicht unbedingt arbeitseffektiver aber schützt manchmal vor Frustration, zu hohen Ansprüchen, bringt etwas mehr Zufriedenheit und lässt Zeit auch mal nach Links und Rechts des Weges zu schauen.
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