Samstag, 4. Mai 2013

San Francisco - ein westliches Abenteuer


Die nächsten Tage verbrachte ich dann mit Michal in Sausalito auf der anderen Seite der Golden Gate Bridge dem High Society Viertel der Stadt. Stars, Sternchen, VIPs oder einfach nur hart am Erfolg arbeitende Menschen leben in dieser fast aufgesetzt wirkenden perfekten  Welt mit ihren Seegeljachten, Prada und Gucci tragenden Mädels, dem herrlichen Wetter, den Cafes und und und. Michal hat ein wunderbar gemütliches wenn auch etwas chaotisch anmutendes Hausboot das er sich mit Freundin und Sohn teilt…mit beheiztem Wirlpool, kleinem Motorboot und jeder Menge Wasserspassequipment wie Wasserski, dazu später mehr. Jeden Morgen erwachte man mit Blick auf das kleine Innengewässer auf dem die Hausboote flotieren. Und sah den Möwen bei der Nahrungsbeschaffung zu . Da Daniel noch den Film weiter editieren musste war mir aus Top Secret Gruenden der Zutritt nicht erlaubt und  so vergnügte ich mich auf dem Rad durch die Strassen SanFranciscos, ging Krabbenbrötchen essen, einen Cappuccino, Cafe Laté, Chai Laté nach dem anderen trinken, einkaufen ect. den lieben langen Tag mich dem Westrausch hingebend. Es ist einfach unglaublich in wie vielen Variationen und Nationen man in dieser Stadt essen gehen kann, es gibt absolut nichts was man nicht findet ob nun koreanisch, Thai, Mexikanisch und und und zu viel zu viel für meinen tanzanianisch kulinarischen Horizont. Überdies hege ich den stillen Verdacht dass die Hunde hier alle mit Wachstumshormonen behandelt werden … oder mein Auge ist den Anblick solcher bellender Riesenvierbeiner ebenso nicht mehr gewohnt. So etwas würde in Haydom vor den Pflug oder den Holzkarren gespannt , eine Kette um den Halst bekommen und zum Grasen auf die Weide gebracht werden. So vergeht auch im scheinbar perfekten Paradies die Zeit. Ich half Michal mit der Studiodekoration für den herannahenden Abend, während mich Daniel am Abend zum Tanzen und tagsüber zum Kletter ausführte.  In einem der schicken Friseursalone Sausalitos wurde mein  Haydom-geplagtes Haar reanimiert und zurück in Form gebracht. Man kümmerte sich wirklich rührend um mich! Der Abend der Filmpremiere kam schnell. Wir bemühten uns alle authentisch haydomisch zu erscheinen…für mich keine Schwierigkeit trug ich doch ein bodenlanges schulterfreies (eher weniger haydomisch) lachsfarbenes Seidenkleid eigens in Haydom für mich geschneidert und Daniel steckte ich in ein in Haydom handgenähtes  schwarzes Hemd mit bunten afrikanischen Stoffapplikationen. Die Masse dazu gab es vorher per mehrerer Skype Befragungen. Nun es waren an die 100 Interessenten und Spender und Unterstützer des Projektes gekommen, mit so einem Zulauf hatte ich ehrlich nicht gerechnet. Die Dokumentation brachte mich gleich in Gedanken zurück auf die Station und so manchem Zuschauer die Tränen in die Augen. Der Film erntete Standing Ovations während ich von Michal und Daniel vors applaudierende Publikum geschoben wurde, dass dann noch viel lauter applaudierte und von den Sitzen aufsprang….kein Notausgang in Sicht, stellte ich mich nachdem die Euphorie etwas abgeebbt war den vielen Fragen des Publikums und viele kamen anschliessend mit dem ehrlichen Wunsch zu mir helfen zu wollen. Was für ein Zulauf. Hände schütteln, Geschichten erzählen und wieder Hände schütteln. Wir aalten uns in Aufmerksamkeit und Zuspruch. Was für ein wunderbares Gefühl so etwas erreicht zu haben. Ich glaub an diesem Abend konnten wir nicht mal gemeinsam anstossen so auseinandergerissen waren wir von der Menschenmenge, zumindest bestand ich auf ein Gruppenfoto von uns dass uns an diesen tollen Abend erinnern sollte.

San Francisco featuring Haydom Lutheran Hospital 12.04. - 22.04.2013


Einmal um die Welt bitte, und drei Mausklicks später voila Flugticket nach San Francisco mit Rückflugstop in Boston. Der Anlass meines geplanten Haydomausbruches in die westlichste westliche Welt ist die Premiere des Haydom Dokumentarfilmes der in San Francisco erstmalig gescreent werden sollte.  Natürlich und das muss ich klar zugeben hatte meine Entscheidung diesem event beizuwohnen nicht nur kulturelle und repräsentative Gründe, nein ich freute mich auch wahnsinnig Norbert und die Urheber des Movies sowie mein geliebtes San Francisco wiederzusehen dass ich bereits vor 13 Jahren in mein Herz geschlossen hatte. Die Anreise ist bereits ein kleiner Dokumentarfilm für sich. Mit meinem Co-Fahrer Maya an der Seite durch den Schlamm auf die Teerstrasse nach Katesh, dann weiter nach Arusha inclusive Polizeistopp und Schokoladenbestechung…nein diesmal keine Heiratsanträge.  Maya musste ich schweren Herzens bei einem Freund in Pflege zurücklassen  als ich in das Impala Shuttle nach Nairobi stieg…einmal Kenya International Airport bitte…wenn man bedenkt was sich da am Flugticket sparen lässt, lohnen sich die 4-5 h Shuttlefahrt.  Das schöne wieder einmal beim Reisen ist dass man nie lang allein bleibt…und sich die Zeit wie von selbst voranschlägt bis plötzlich der Flieger die Landebahn verlässt und gen Norden in den Nachthimmel gleitet…die Lichter Nairobis unter mir wichen einer dichten Wolkendecke und das Unterhaltungsprogramm, warme Socken, Tee und ich gebs ja zu etwas pharmazeutische Einschlafhilfe liessen mich sanft der afrikanischen Welt entschlummern bis mich die holländische Luft später und die Flugzeugbeleuchtung in Amsterdam weckten. Bumm da war sie knalltharte westliche Zivilisation. Flugtafeln, Uhren, Laufbänder und Rolltreppen, Coffeeshops, sanft dudelnde Flughafenmusik, ein beinahe blumiger Geruch, spiegelsaubere Fliesen und hochglänzend polierte Toilettenamaturen … gut gekleidete Geschäftsmenschen die sich Sakko oder Blazer glatt und fusselfrei bürsteten … und ich in meinem rot staubbedeckten Haydomkoffer und Rucksack, meine Füsse in Wanderschuhen fest verankert damit ich auch nicht den Halt verliere angesichts dieses Kulturschocks. Man fühlt sich beinah als Fremder in seiner eigenen Welt…keine Mzungu Rufe, keine helfenden Hände die mir den Koffer vom Laufband oder die Treppe hinaufhieven.  Jeder scheint nur seinem Zeitplan hinterherzurennen. Nächster noch grösserer Flieger nach Detroit fuer die nächsten 8 Stunden…amerikanische Luft … roch dann weniger nach Tulpen aber nach Donkin Donuts Dunkoccino und Bagels mit creamcheese und auffallend fast jeder war an einen Kaffepappbecher unterschiedlicher Koffeinanbieter gekettet und hatte ein Telefon oder nein besser ein iPhone am Ohr kleben wieder nur mit sich anstatt mit der Welt beschäftigt. Seufz noch einmal Fliegerwechsel…immer noch etwas benommen von  dem Schlafentzug stolperte ich auf das dritte Flugzeug das mich dann weitere 5 Stunden später in San Francisco ausspuckte. Daniel wartete mit einem breiten Grinsen an der Strassenbahnhofhaltestelle: Karibu Amerika! Ich hatte es geschafft nach fast 29 h Reisezeit seit Nairobi. Aber die Aufregung endlich da zu sein unterdrückte die Müdigkeit. Gemeinsam, oder korrekterweise muss ich zugeben übernahm Daniel mit meinem kaputten Koffermonster die meiste Arbeit, bezwangen wir die steilen Anstiege der Stadt bis zur WG in der er lebt. Nun möchte man meinen  bin ich alsbald erschöpft auf der Couch zusammengebrochen…vielleicht war es die Dusche oder das türkische Baklava, ich liebe die!!, die in mir das Bedürfnis auslösten ich möchte mit auf die WG Party.  Da es sich um eine Mottoparty handelte bemalten wir gegenseitig unsere Gesichter und während Daniel sich in einen Tiger verwandelte wurde ich zum Schneeleoparden. Ich glaub mit der Bemalung waren wir die Stars des Abends.












Sonntag, 7. April 2013

Ein traurig kleines Wunder





Haydom ist ja sehr bekannt für seine Kuriositäten und Seltenheiten. Diese Geschichte aber sorgte selbst hier im Dorf für einen Massenauflauf  an Paparazzi und Neugierigkeit. So erblickte hier im Kreissaal der Frauenstation ein siamesicher Zwilling das Licht der Welt. Um exakt zu bleiben handelte es sich nur um ein komplettes Neugeborenes dem Kopf und Rumpf des Geschwisterkindes am Nabel angehangen war. Dieses war allein nicht als vollständiges Individuum zu bezeichnen ohne eigene Organe wurde es von der Blutversorgung des grossen Kindes mitversorgt und am Leben gehalten. In diesem Fall stösst man selbst in der Definition des Mensch-Seins und am Leben-seins an ethische Grenzen.  Alle Untersuchungen und ein CT zeigten ein normal entwickeltes grosses Geschwisterkind mit eigenständgigen physiologisch normal positionierten Organen so dass Hoffnung auf eine lebensrettende Trennungs-Operation bestand. Mit einer sehr talentierten und befreundeten Kinderchirurgin aus Arusha (Dr.Catherine) vereinbarte und plante  ich den Versuch einer Verlegung und Operation. Pat der Pilot von FMS war wieder einmal verlässlich und engelsgleich bereits eine Stunde später wie vereinbart auf dem Haydomer Landeplatz angekommen. Die noch sehr jungen Eltern wünschten den Versuch einer OP waren nach versprochener finanzieller Hilfe bereit die Verlegung zu wagen. Einziger und grösster Wehrmutstropfen war die Informationsgeilheit des gesamten Krankenhauses inclusive nichtmedizinischen Personals. So stand die Tür einladend wie zu einem Museums-oder Zoobesuch zum Krankenbett der Kinder offen und Schwester, Arzt, Freund, Putzpersonal, Dorffotograph und wer sonst noch so von der Neuigkeit erfahren hatte gaben sich die Klinke und den Fotoapperatauslöser in die Hand. Der Verband wgzeurde abgerissen, erneuert und wieder abgerissen für eine „tolle“ Aufnahme…ich kam als Ärztin kaum noch an das Bett heran, bis ich alle nichtautorisierten Menschen aus dem Zimmer geworfen hatte. Das war letztlich vielleicht der Grund für den weiteren Verlauf.  Die Verlegung klappte bilderbuchmässig Ambulanz stand bereit als ich mit dem Sauerstoffpflichtigen Kind, Pulsoxy und Perfusor im Arm heraneilte. Leider gibt es im Auto keinen Sauerstoffanschluss und so schrie ich den Fahrer an das Gaspedal durchzutreten nachdem der auch erst mal seinen Fotoapperat gezückt hielt. Mit einem langsam blau werdendem Kind im Arm rasten wir über die Haydomer Buckelpiste, durch das gerade aufgerissene Krankenhausgate Richtung Flugplatz wo Pat schon mit Sauerstoffzylinder und Flugzeug wartete. Daran angeschlossen erholte sich die Gesichtsfarbe des Säuglings und mein Adrenalinspiegel rasch. Mutter und Kind wurden auf dem Rücksitz festgeschnallt ich übereichte Pat Verlegungspapiere, CT Bilder und nachdem die Ambulanz an den Flugplatz in Arusha bestellt war ging die Reise für die kleine Familie los und wenig später erhob sich das Flugzeug über unsere und die Köpfe vieler weiterer neugieriger Dorfbewohner empor. Der weitere Verlauf der Geschichte lag nun nicht mehr in meiner Hand. Vielleicht war es die Vielzahl an ungewollten Besuchern, eine sich entwickelnde Infektion oder einfach göttlicher Wille das der Zwilling nach einer geglückten Verlegung in der Nacht vor der OP im ALMC Krankenhaus Arusha plötzlich in einen Herz-und Atemstillstand verfiel aus welchem ihm die Ärzte dort nicht mehr retten konnten. So hat die doch ganz vielversprechend begonnene Rettung leider einen traurigen Ausgang. Ich habe mich entschlossen über meinen Verein Haydomfriends Krankenhaus und Reisekosten für die Eltern und das Kind zu übernehmen damit ihnen selbst in der Zeit der Trauer ein bisschen Unterstützung gewiss ist. Man muss sich eigestehen dass wenn man sich das Wunder am meisten wünscht es leider oft hier nicht eintrifft und es gibt viele viele Fälle die zunächst hoffnungsvoll beginnen und dann doch traurig enden. Dennoch verlieren wir nicht die Hoffnung und hoffentlich nicht die Motivation immer wieder an Wunder zu glauben.

Olav das Osterei


Während bei uns zu Haus die Ostereier wohl in der weissen Schneepracht versinken suchten wir den tanzanianischen Osterhasen in diesem Jahr auf Sansibar.  Mit dem  Besuch meiner Schwester und ihres Freundes war auch mir eine kleine Haydompause vergönnt. Gemeinsam ging es auf Pumba, Timon und Simbajagd und anschliessend im Flieger auf die Gewürzinsel.  Durch die Gassen von Stonetown schlendern, in den unzähligen kleinen Boutiquen zuviel Geld lassen am Fhoredani Garden am Abend wenn die Sonne untergegangen ist im Gaslampenschein Kokosbrot, Pizza und Seafood geniessen und im Dhow Palace Aladin und Ali Baba spielen. Ja wir hatten sicherlich eine schöne Zeit. Das Reisehighlight stellte aber mit Abstand der Heimflug dar. Ein vom Frühstückstisch entwendetes hartgekochtes Reiseproviant – Ei sorgte an der Flughafenkontrolle für unerwartet grosses Aufsehen. Die Röntgenkontrolle des Handgepäcks zeigte wohl einen seltsam verdächtigen Handgepäcksbefund und als das Ei ans Tageslicht befördert wurde sah man in die verwunderten Gesichter des Sicherheitspersonals am Stonetowner Flughafen. Was auch immer sie hinter der weissen Schale vermuteten, auch die Lichtkontrolle, der Hör – und Schütteltest auch die mehrfach herangerufenen Kollegen brachten keine Klarheit. Meine Schwester wünschte höflich frohe Ostern und versuchte ihren kleinen weissen Freund  als Ostergeschenk  den verdutzt dreinschauenden Kontrollpersonal zu überlassen das irritiert ablehnte. Ihr wurde letztlich die Mitnahme ihres Ostereies genehmigt und um der Schöpfung die Krone aufzusetzen wurde es anschliessend von uns mit Gesicht und Farbe versehen und auf den schönen Namen Olav getauft. Nun folgte uns Olav in den Flieger bekam seinen eigenen Sitzplatz am Fenster, wurde der Stewardess vorgestellt und mit den grossen Vögeln abgelichtet. Die weitere Reise ins kalte Deutschland ist nicht dokumentiert.  Vielleicht hat Olav bei der Ankunft am deutschen Flughafen auch einen Besitzer gefunden, vielleicht ist im ihm bei den eiskalten Temperaturen auch der Dotter eingefroren  oder er hat sich aus lauter Heimweh im Schnee eingegraben. Vielleicht ist ihm aber auch ein tanzanianisches Osterküken entschlüpft. Fakt ist dass die Verbreitung von kleinen Olavs in Tanzania zu Ostern ein eher unbekanntes Phänomen ist und es dem Humor der Sicherheitsbehörde zu verdanken ist das Olav eine solche schöne Reise vergönnt war!



Freitag, 25. Januar 2013

HaydomFriends hilft leben



Abgesehen von all den erhaltenen Heiratsanträgen durch die ortsansässige scheinbar verzeifelte Arushaer Polizei hat mein zwei wöchiger Aufenthalt in Arusha noch einen wichtigeren Grund. Die Idee ist ein Trainingsprogramm für Haydomer Jungchirurgen und Schwestern zu initiieren insbesondere auf dem Gebiet der Hydrocephalus-Shunt Implantation und Spina Bifida Operationen. Dr. Catherine die Kinderchirurgin hier ist zertifizierte Ausbilderin und kann am Ende eines festgesetzten 2-3 Monatigen Trainingsprogramm ein Zertifikat ausstellen, dass es dem Teilnehmer ermöglicht diese Prozeduren selbstständig durchzuführen und die nötigen Shunts dann auch zur Verfügung gestellt bekommt. Ausserdem sollen Schwestern und Physiotherapeuten wie Outreach Schwestern im Umgang mit Urinkatheterisierung der kleinen Patienten sowie in der perioperativen Krankenpflege geschult werden. Ich bin Catherine in den letzten 2 Wochen in OP und Sprechstunde gefolgt. Neben diesem gibt es nun auch ein sehr glückliches kleines Mädchen dass ich zuvor in Haydom mit einer lebensbedrohlichen massiven "Nieren-und Urinstauung" und Nierenentzündung gesehen und die Diagnose mit einem Ultraschall bestätigt hatte. Da solch ein Krankheitsbild operativ in Haydom nicht versorgt werden kann, bat ich die Familie mit der Kleinen ans ALMC Krankenhaus nach Arusha zu kommen um von Catherine und mir noch einmal gesehen zu werden. Noch am Tag ihrer Ankunft wurde sie auf die Operationsliste gesetzt und 2 Tage später operiert. Es zeigte sich ein grosse Zyste in der Blase welche den Urineinstrom auf beiden Seiten blockierte und so zu einer massiven Erweiterung der Harnleiter und auch der Niere führte. Catherine schaffte eine Schienung beider Harnleiter und Entfernte das obstruierende Gewebe. Dem Kind ging es am Folgetag der OP gut, die Nieren arbeiteten und der Urinbeutel füllte sich stetig. Einziges und leider ach so häufiges Problem ist die Frage die Bezahlung medizinisch möglicher und notwendiger aber finanziell unmöglicher Eingriffe. Die Familie aus Haydom stammend hat neben ein paar Ziegen und Hühnern keine Rücklagen und kamen mit gerade mal 25.000 Tsh (12 Euro) das war alles was sie auftreiben konnten in die Klinik. Um einen solchen operativen Eingriff zu beginnen muss am ALMC jedoch eine Bürgschaft geleistet werden, da allein eine Übernachtung mit Verpflegung ohne medizinische Versorgung 50.000 Tsh kostet vom eigentlichen Eingriff ohne Versicherungsträger mal weit abgesehen.  Ich entschied mich die Kosten für Krankenhausaufenthalt und OP  von unserem Verein HaydomFriends übernehmen zu lassen. Das kleine Mädchen konnte am darauffolgenden Tag bereits in die weitere medizinische Versorgung in Haydom entlassen werden, wo ich sie selber in 2 Tagen nach meiner Rückkehr wiedersehen werde. Als wir alles weitere mit dem Vater und später auch der Mutter besprachen, hatte jener Tränen in den Augen und dankte allen Spendern, Helfern und Unterstützern von Haydomfriends. Dankte allen für die neue Chance zu leben seiner kleinen Tochter. Es bedarf wohl sicher noch ein paar mehr Eingriffen und Krankenhausbesuchen, aber die grösste Gefahr ist erst mal genommen. Tja und ich selbst hoffe auf eine gute und sichere Rückkehr nach Haydom. Die Fenster, der Scheibenwischer und das Radio sind so gut wie repariert, Benzin und Oel aufgefüllt. Ich hoffe die Polizei hat hitzefrei oder jagt anderswo wilde Ganoven und ich komme ungestoppt schnell nach Hause zu meiner eigenen kleinen Hundefamilie.

Im Wartesaal des OPs

OP Schwester und Baby auf dem Weg zum
Operationstisch

Während des 4 h Eingriffes 

Mittwoch, 16. Januar 2013

Afrikanische Hochzeit


Das man hier in Tanzania als weibliche Mzungu häufiger mal an Heiratsanträge gerät ist im allgemeinen nichts ungewöhnliches. Überrascht wird man nur immer wieder von der Kreativität der Anwärter! Hier also wieder ein typische Begebenheit mitten aus dem tanzanianischen Alltag gegriffen. Um die Kontakte mit dem Rehabilitätszentrum im Moshi und der kostenlosen Shuntsendung für die weiteren OPs in Haydom zu sichern, begab ich mich für 2 Wochen nach Arusha um Catherine einer Kinderchirurgin hier etwas über die Schulter zu schauen. Auf meinem Weg zurück zur Klinik kurz vor der Krankenhauseinfahrt dann die lästige Polizeikontrolle. Die diesmal weibliche Polizeibeamtin nahm sich viiieeelll Zeit meine Papiere, das Auto und die Gesamtsituation zu inspizieren, fand neben einem fehlenden Beglaubigungstempel auf den kopierten Fahrzeugpapieren, einen meiner Autoreifen zu alt und den kleinen Riss in der Heckscheibe wohl auch als sehr verkehrsgefährdend…wobei die uns passierenden DallaDallas und LKWs nur noch vom Rost gehalten kurz vor dem Auseinanderfallen standen. Meine Erklärungen ich würde als Gastdoktor aus Haydom dringend in der Klinik erwartet beeindruckten sie wenig und das nicht erreichbare Handy von Dr.Catherine halfen da nicht unbedingt weiter. Mit einem strengen Gesichtsausdruck verlangte sie ihr auf die Polizeistation zu folgen…Einwände wie ich hätte es aber eilig ect…. prallten von ihr ab. Ich solle meine Strafe von 70.000 Tsh zahlen. Sie stieg neben mir auf den Fahrersitz mitsamt ihrem männlichen Begleitkollegen, der die ganze Fahrt still vor sich hin grinste. Einem Kreuzverhör gleichend gestaltete sich die Fahrt zum Revier und als ich dann verzweifelt des Unverständnis in Englisch wegen dann in Suaheli wechselte, veränderte sich auch plötzlich der Gemütszustand meiner Beifahrerin und sie fragte mich in Suaheli ob ich verheiratet sei. Ehrlich bestätigte ich meinen Singlestatus und „nein“ ich habe auch keine Kinder. Todernst und seriös unterbreitete sie mir das Angebot ihren Bruder heiraten zu können, dann wäre mir die Geldstrafe erspart. Ungläubig suchte ich ihr Gesicht nach einem Schmunzeln oder Zeichen gewollten Humors ab, da stand aber nur geschrieben „heirate meinen Bruder“ . Hmmm…was zu tun. Ich gab ihr tatsächlich meine Kontakt- und Telefondaten und sie mir meine Fahrzeugpapiere zurück: „Ich könne jetzt gehen!“ Wie auf Startschuss sprang ich zurück hinters Steuer und natürlich unter Blinkereinsatz verliess ich schleunigst den Polizeiparkplatz. Was ich ihr allerdings nicht verraten habe, mein JA-Wort habe ich in der Vergangenheit schon mindestens 3 ihrer männlichen Kollegen geben muessen. Nichts desto trotz ich schlafe in dieser Nacht hinter verriegelten Türen.

Dienstag, 15. Januar 2013

Hausgeburt

Es gibt Leute die veranstalten Bleigiessen oder Salzheringverzehr zum Start des neuen Jahres. Im Hause Mayas gab es stattdessen Neujahresnachwuchs. Statt guter Vorsätze stieg hier die Anzahl der Hausbewohner von 2 auf 7. Ich habe an anderer Stelle ja bereits ausführlichst über die Teenage-Schwangerschaft meines Hundekindes berichtet. So überspringe ich mal eben das Mutter oder Tantesein…und werde eben Oma J. Am Neujahresmorgen winselte eine sehr seltsam agierende Maya durchs Haus und wenig später schon lag sie offensichtlich in Wehen in ihrer kleinen Behausung. Nun würde man im humanen-Entbindungsfall sicherlich als einziger Augenzeuge nervös die Ambulanz rufen oder die gepackten Reisekoffer mobilisieren…in Mayas Fall muss ich sagen war ich mehr als stolz. Sie wusste genau was zu tun ist als die kleinen noch in Fruchthüllen verpackten Welpen das Licht der Welt erblickten, oder zumindest erahnten, bei noch geschlossenen Augen. Ich war da nur unterstützend als Hebamme tätig, durfte Nabelschnüre durchschneiden. Alle 5 Welpen im dunkelgrau, schwarz oder dunkelbraunen Outfit, das lässt die Vaterfrage sehr interessant erscheinen, waren doch alle Anwärter eher ocker bis blondfellfarben…Die Kleinen gedeihen seit jeher prächtig und bedienen sich täglich vom mütterlichen 24h Service. Sicher wird es schon bald wieder heissen: Kabel, Handy, Schuhe in die oberen Etagen verlegen. Hongera sana, Mama Maya!